wilde perspektiven

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Dienstag, 23. August 2016

Fliegende Edelsteine

Oh nein, nicht schon wieder Eisvogel, werdet ihr jetzt bestimmt denken.

Aber da kann ich euch den Wind aus den Segeln nehmen. Der Eisvogel bekommt heute nur eine Rolle unter vielen zugeteilt.

Es geht um fliegende Edelsteine, also um bunte und schillernde Flugkünstler aus dem Tierreich. Dass man im Volksmund ausschließlich den Eisvogel meint, wenn man von einem fliegenden Edelstein spricht, ist wohl jedem Besucher dieser Seite hinlänglich bekannt.

Doch warum der Eisvogel eine Monopolstellung genießt, wenn es um diese Bezeichnung geht, habe ich mich mindestens in den letzten 20 Jahren immer wieder gefragt. Denn viele andere flugfähige Tiere können bezüglich ihrer Frabenpracht locker mit ihm mithalten!


Zunächst gibt es aber tatsächlich zwei Fotos von einem weiblichen Eisvogel aus dem Moor bei Aurich-Tannenhausen.

Dabei handelt es sich um eine adulte Dame, die ich hier bislang noch nicht vorgestellt hatte:

adult female Kingfisher

Die von mir hier in einem der letzten Berichte gezeigten Jungvögel haben sich schon seit einiger Zeit nicht mehr vor meinem Tarnzelt blicken lassen. 

Dieses Weibchen, das vielleicht ihre Mutter ist, hat derweil die Kinder der zweiten Jahresbrut zu versorgen. Kein leichtes Spiel, wenn man den ganzen Tag kleine Fische fangen und ewig hungrige Mäuler stopfen muss. Doch für einen echten Eisvogel ist es wohl keine Herausforderung, diesen anspruchsvollen Job zu erledigen.

Na, ihr kleinen süßen Fische, wer von euch will jetzt mal meinen Hunger stillen?

Freiwillige vor (aus der Rubrik Eisvogel-Gedanken):


same, but two weeks earlier and not moulting yet

Es folgt ein Bild von meinem Tarnzelt, das sich ganz passabel in die zwar noch bezaubernde, wegen des viele Jahre andauernden Torfabbaus aber nicht mehr ursprüngliche Landschaft einfügt:

my hide

Das darf man öffentlich vielleicht gar nicht schreiben, aber ich finde Torfabbau nicht so schlimm, wie er oft dargestellt wird. Schlimm ist vor allem die ihm vorausgehende Entwässerung großer Gebiete. Die schafft aber auch dann einen Wust an Problemen, wenn überhaupt kein Torf abgebaut wird.

Meiner Meinung nach ist der umsichtige Abbau von Torf eher eine Art von Verjüngungskur für das Moor. Aber natürlich nur dann, wenn man nur einen Teil des Moores in die Bewirtschaftung einbezieht. Und wenn man von der dicken Torfschicht auch was übrig lässt und die bearbeiteten Flächen im Anschluss an die Nutzung wiedervernässt und nicht etwa in ausgetrocknetes und überdüngtes Grün- oder gar Ackerland umwandelt. Aber genau das ist in der Vergangenheit passiert. Vor allem deshalb haben viele anspruchsvolle Tier- und Pflanzenarten ihren Lebensraum für immer verloren.

Nicht wenige von ihnen siedeln in den Mooren am Ewigen Meer an so genannten Störstellen. Das Waldläusekraut zum Beispiel wächst ausschließlich auf den Wegen und dort, wo früher die Gleise der Torfbahn verliefen. Auch Mittlerer und Rundblättriger Sonnentau sowie die Moorlilie kann man vor allem entlang von Wegen und Trampelpfaden finden. Die Sonnentau-Arten erreichen ihre höchste Dichte aber auf den ehemaligen und jetzt gefluteten Abtorfungsflächen, wo sie vor allem entlang der vegegationslosen und bei hohem Pegel im Winter gefluteten Randbereiche siedeln. Und schließlich wachsen auch Schmalblättriges Wollgras, Weißes Schnabelried und Gagel vor allem dort, wo früher Torf entnommen wurde.

Auch einige der in diesem Moor vorkommenden Vögel wie Rotschenkel, Flussregenpfeifer, Bekassine, Kiebitz und Krickente brüten ausschließlich in den wiedervernässten einstigen Abtorfungsflächen. Viele weitere Arten legen dort auf dem Zug eine Rast ein, um ihre Fettreserven für die anstrengende Reise auf Vordermann zu bringen.

Trotzdem will ich hier nicht die Sünden der Vergangenheit rechtfertigen!

Natürlich wäre es viel schöner gewesen, man hätte die Moore so belassen, wie Mutter Natur sie über Jahrmillionen geschaffen hat, aber man kann die Zeit nicht zurückdrehen. Torf wurde über Jahrhunderte als Brennstoff für Privathaushalte eingesetzt. Gewonnen wurde er schon zu Plinius' Zeiten in kleinen und so genannten Handtorfstichen.

Das war zum Beispiel auch bei meinen Großeltern im emsländischen Haren-Wesuwe der Fall. Ich erinnere mich noch gut an den alten Herd in der Küche – er stand links neben der Tür zum zweiten Wohnzimmer – sowie an die getrockneten Torfballen, die dort gelagert wurden. Auch heute noch habe ich den Duft von brennendem Torf in der Nase, den ich mit einer wohligen Wärme, mit dem leckersten Schwarzen Tee meines Lebens sowie mit Butterkuchen in Verbindung bringe. Mit jenem Butterkuchen, der mit viel Zucker und eher wenigen Mandeln bestreut war.

Kindheitserinnerungen.

Darüber hinaus wird Torf auch heute noch als so genannter Bodenverbesserer in Privatgärten eingesetzt. Gerade diese Form der Nutzung ist aber völlig sinnfrei. Es sei denn, man möchte im Garten nur Heidekrautgewächse wie etwa Rhododendren anpflanzen, die an saure Böden angepasst sind. Für die meisten Pflanzen aber wäre naturbelassener Torf reines Gift. Erst das kostenintensive Hinzufügen weiterer Inhaltsstoffe macht aus Torf tatsächlich einen Gewinn für den Garten. Der Aufwand, den man dafür betreiben muss, steht aber in einem sehr ungünstigen Verhältnis zum Ertrag, der am Ende dabei herauskommt. Es ist also gerade der sinnfreie Einsatz von Torf in Privatgärten, für den der Mensch wertvollen und einzigartigen Lebensraum für immer zerstört hat. Wenn ihr also künftig Blumenerde kauft, dann seht bitte nach, woraus diese zusammengesetzt ist.


Nach Sonnenaufgang und dem Eisvogel-Shooting, auch das hatte ich bereits in einem der letzten Berichte geschrieben, suchte ich mir wieder einen schattigen Platz, um noch schnell einige Kleintiere zu knipsen.

Ich fand zum Beispiel eine weibliche Gemeine Binsenjungfer:









































female Emerald Damselfly

Männchen und Weibchen dieser Art sind bunt, glänzen metallisch und können auch noch fliegen!

Was spricht also dagegen, sie als fliegende Edelsteine zu bezeichnen? Zumal diese Art auch noch zur Libelle des Jahres 2016 gewählt worden ist, wenn ich mich nicht irre.

Ein anderes Weibchen:


































different female

Und ein Kerl:


male

Grundsätzlich sehen alle Libellen wie fliegende Edelsteine aus. Sie erfüllen wie der Eisvogel alle erforderlichen Kriterien und stehen ihm diesbezüglich in nichts nach.


Also ist auch der Große Blaupfeil ein fliegender Edelstein:

old female Black-tailed Skimmer

Okay, bei diesem alten und abgewrackten Weibchen war der Lack größtenteils schon ab. Für einen Halbedelstein reichte es aber noch.


Ein anderes Tier, das fliegen kann und bunt gefärbt ist, ist diese Goldfliege:

Green Bottle Fly spec.

Und deshalb ist sie natürlich auch ein fliegender Edelstein, oder?

Niemals würden die Leute so etwas im Zusammenhang mit einer Fliege sagen. Eher käme ihnen die Fliegenklatsche in den Sinn.

Es ist eben eine ungerechte Welt. Wenigstens aus Sicht einer kleinen und vermeintlich unbedeutenden Goldfliege. Vielleicht sollte sie ihre Rechte mit der Unterstützung von Amnesty International irgendwo einklagen. Ach nein, für Goldfliegen krümmen die bei AI nicht einmal den kleinen Finger.


Auch die Hummel-Keilfleckschwebfliege ist ganz schön hübsch:

female Eristalis intricarius

Die Weibchen sind sogar noch hübscher und bunter als die Männchen!

Und deshalb ist auch diese Art für mich ein fliegender Edelstein. Abermals geht mein Dank an Axel Steiner aus Breckerfeld, der das Tier für mich bestimmte.


Am letzten Samstag (20. 8. 2016) fand ich im Moor bei Münkeboe* meine erste Feuerlibelle des Jahres:

male Broad Scarlet

Gleichzeitig war dieses Männchen auch die allererste Feuerlibelle, die ich jemals in diesem Moor beobachten konnte.

Einige Stunden zuvor hatte ich einen frischen C-Falter entdeckt, der an den Blüten der Besenheide saugte. Rasch legte ich mein Fernglas ab und entnahm meinem Rucksack die Kamera. Doch bevor ich ein Bild machen konnte, flog der Falter auf und machte sich aus dem Staub. Ich ergriff in der Eile meinen Rucksack, ließ aber, verpeilt, wie ich bin, das Fernglas im Heidekraut liegen. Und obwohl ich alles gab, reichte es nicht für ein Foto.

Der C-Falter flog und flog und flog, bis ich ihn aus den Augen verlor.

Wenig später fiel mir auf, dass etwas fehlte. Oh Gott, mein Fernglas, dachte ich entsetzt, denn sofort war mir klar, dass ich nicht mehr wusste, wo genau ich es abgelegt hatte. Mindestens 200 Meter hatte ich bei der Verfolgung des Schmetterlings zurückgelegt. Doch wo ich gestartet war, wollte mir partout nicht mehr einfallen. Um mich herum blühende Besenheide, alles sah gleich aus. Keine auffälligen Strukturen oder Landmarken, die mir hätten weiterhelfen können. Ich suchte mir einen Wolf, doch am Ende ohne jeglichen Erfolg. Mein Fernglas blieb verschwunden.

Ich war verzweifelt. Doch dann fiel mir ein Kumpel ein, der einen Metalldetektor besitzt. Und mein Fernglas ist beringt, trägt unter anderem einen fetten Aluminiumring eines verstorbenen Höckerschwans am Trageriemen. Mit der Unterstützung meines Kollegen sollte ich meinen geliebten und unverzichtbaren Begleiter wohl wiederfinden, so dache ich hoffnungsvoll.

Plötzlich flog die oben gezeigte männliche Feuerlibelle an mir vorbei. Sie drehte eine Runde und steuerte einen Handtorfstich an, um schließlich doch zu mir zurückzukehren und nur wenige Meter von mir entfernt zu landen. Für einen Augenblick vergaß ich den traurigen Verlust meines Fernglases und machte meine Kamera erneut startklar. Ablenkung kann nie schaden, dachte ich noch schnell. Vorsichtig näherte ich mich dem Tier. Und als ich bis auf einen halben Meter herangekommen war, erblickte ich es! Kein Scherz, direkt unter der Feuerlibelle lag mein wichtigstes Alltags-Utensil auf dem Boden. Von oben nicht zu erkennen, von den Zweigen des Heidekrautes perfekt abgeschirmt wie ein Teil des Laminats im Wohnzimmer meiner Wohnung von einem wollenen Teppich.

Blickdicht wie ein Burka!

Ohne die Feuerlibelle hätte ich mein Fernglas niemals wiedergefunden. Jedenfalls nicht ohne die Hilfe eines Metalldetektors. Jetzt wusste ich ja auch, dass ich die ganzen letzten Stunden im falschen Bereich der Heidefläche gesucht hatte. Zuletzt hatte ich mich dem Fernglas zwar bis auf wenige Meter genähert, aber gefunden hätte ich es dort aus den genannten Gründen ganz bestimmt nicht.

Und weil ich dem Tier zu Dank verpflichtet bin, stelle ich es hier vor. Leider aber nur in Graustufen, denn die Fotos entstanden im grellen Licht der Mittagszeit. Zum Titel des heutigen Beitrages aber passt die Feuerlibelle allemal. Und es soll nicht unerwähnt bleiben, dass dieses Tier absolut keine Scheu zeigte. Ich konnte ganz normal herumhampeln, es störte die Libelle überhaupt nicht. Ab und zu stieg sie rasant auf, um ein kleines Insekt zu erbeuten, doch anschließend kehrte sie stets zu ihrer Ausgangswarte zurück.

Das hatte ich so noch nie erlebt!

spider's artwork

Spinnennetze und hier vor allem die so genannten Radnetze haben in meinen Augen viel mehr von Kunst als alles, was so mancher menschliche Künstler jemals in seiner Karriere geschaffen hat. Morgendlicher Tau macht sie sichtbar. Wenn die aufgehende Sonne ihn verschwinden lässt, kann man nicht mehr auf die Schnelle erkennen, wie viele von diesen Netzen sich in einer kleinen Wiese befinden.

Die Wespenspinne ist einer dieser kleinen Künstler:






















female Wasp Spider

Dieses Weibchen fand ich nur wenige Meter von meinem Tarnzelt entfernt. Es war vielleicht die größte und fetteste Wespenspinne meiner Beobachterlaufbahn. Von ihrer Gestalt her erinnerte mich das Tier eher an eine  Vierfleckkreuzspinne, die im selben Lebensraum vorkommt. 

Das Netz dieser Wespenspinne war groß und befand sich nicht unmittelbar am Boden, wie es sonst bei dieser Art oft der Fall ist. Das machte das Fotografieren etwas entspannter. Vor allem für meinen Rücken. Nebenbei ist mir aufgefallen, dass viele der in diesem Moor lebenden Wespenspinnen auf das Weben eines so genannten Stabiliments im Zentrum des Netzes verzichten. Ich meine, dass das füher anders war.

Dasselbe Tier von unten:



same

Auch die Unterseite der Wespenspinne macht was her.

Es sind nicht selten diese beiden auffälligen gelben Streifen auf dunklem Grund, die mich auf die Wespenspinne aufmerksam machen. Das eben erwähnte weiße Stabiliment fällt einem mit etwas Übung ebenfalls schnell auf, selbst in der dichtesten Bodenvegetation.

Doch was hat dieses Tier in diesem Beitrag über fliegende Edelsteine zu suchen?

Ganz einfach, die Wespenspinne ist prächtig gefärbt und, ja, sie kann auch fliegen!

Allerdings nur im Frühjahr, wenn die Jungspinnen den von der Mutter im Vorjahr erbauten Kokon verlassen und sich neuen Lebensraum erschließen müssen. An einem langen seidenen Faden hängend können sie unter günstigen Umständen viele Kilometer zurücklegen und sogar Inseln im Ozean erreichen. Allerdings sind sie zu diesem Zeitpunkt nicht nur winzig, sondern auch eher unscheinbar gefärbt und gezeichnet.


Ein weiterer fliegender Edelstein ist im weitesten Sinne das Grüne Heupferd:

male Great Green Bush-Cricket

Diese Langfühlerschrecke kann nämlich fliegen und ist leuchtend grün, also fast wie ein Smaragd gefärbt. Okay, die Strecken, die sie im Flug zurücklegen kann, sind tatsächlich nicht so berauschend. Und vielleicht wird dieser Beitrag jetzt eher zur Satire, wenn er das nicht schon bei der Wespenspinne geworden ist.


Ein schillernder Hassprediger:

adult male Kingfisher

Es war wieder der alte männliche Eisvogel aus dem letzten Bericht, der hier lautstark gegen alle hetzte, die ihm nicht in den Kram passten. Außer mir war aber kaum jemand da, der zuhörte. Einzig ein junges Blaukehlchen stand auf einem Weidenzweig und schüttelte unentwegt den Kopf.

Okay, das war natürlich nur ausgedacht, denn tatsächlich würgte der Eisvogel hier einen Speiballen hervor, der auf dem nächsten Foto soeben noch am linken unteren Bildrand zu erkennen ist:





same specimen after regurgitating a pellet

Zuvor hatte der Vogel eine ganze Weile nur herumgestanden und gedöst.

Er wusste sehr gut, dass der Magen grundsätzlich erst nach dem Hervorwürgen eben dieses Speiballens wieder etwas aufnehmen kann. Und kaum war das geschehen, da fing der Eisvogel den ersten Fisch.

Nachdem er ihn hinuntergeschlungen hatte, schüttelte er sich ausgiebig:


same

Wenn man als Eisvogel einen Fisch erbeutet, dann läuft das eigentlich fast immer gleich ab. Man stößt nach ihm und kehrt zur Warte zurück. Anschließend legt man sich den Fisch im Schnabel zurecht und schlingt ihn hinunter. Erst dann hat man die Möglichkeit, das Wasser aus dem Gefieder zu schütteln. Vorher geht das deshalb nicht, weil man sonst Gefahr liefe, den Fisch zu verlieren.


Eine weibliche Braune Mosaikjunfer fängt keine Fische:

female Brown Hawker

Kühl war es, als ich das Tier am frühen Morgen entdeckte.

Und eigentlich hatte ich vor, die Libelle von allen Seiten zu fotografieren. Bei zehn Grad Celsius kann sie nicht wegfliegen, so dachte ich, doch die Mosaikjungfer war da anderer Meinung. Sofort fing sie an, mit den Flügeln zu zittern. Und wenige Minuten später schwang sie sie sich in die Luft. Sie wirkte eher schwerfällig, aber für einen kurzen Flug bis in die Kronen der Erlen reichte es allemal.

Und genau das war der Sinn der Sache.

Viele Großlibellen (und auch Nachtfalter) können selbst bei sehr niedrigen Temperaturen ihren Körper mittels Muskelkontraktion auf Betriebstemperatur bringen. Zwar kühlt er während des Fluges rasch wieder ab, aber bis es so weit ist, haben sie sich in in den allermeisten Fällen in Sicherheit gebracht.

Eigentlich war es aber schon großes Glück, dieses Tier überhaupt am frühen Morgen am Abelitzschloot zu finden, denn gerade die Arten der Gattung Aeshna (Mosaikjungfern) verbringen die Nacht fast ausschließlich in unerreichbaren Höhen. Hinzu kommt, dass die Braune Mosaikjungfer zwar überall in Ostfriesland vorkommt, aber niemals in hoher Dichte. Findet man also eine solche Libelle am Morgen in der Bodenvegetation, dann kommt das einem Lottogewinn gleich. Vielleicht keinem Sechser, aber einem Dreier ganz bestimmt.


Es folgt eine noch nicht sehr alte weibliche Torfmosaikjungfer:


female Common (or Moorland) Hawker

Sie sonnte sich am späten Vormittag auf einem Beutel, der mir zuvor ins Waser gefallen war und den ich deshalb zum Trocknen aufgehängt hatte.

Die Torfmosaikjungfer fliegt vor allem ín Mooren. Ich muss aber gestehen, dass ich sie bis vor Kurzem nie bewusst wahrgenommen hatte. Mosaikjungfern sieht man fast ausschließlich im Fluge. Sie setzen sich nur selten ab. Und eine fliegende Torfmosaikjungfer kann man schon mal für einen Vertreter der häufigeren Arten dieser Gattung halten (s. u.).

Auch das Individuum auf dem nächsten Foto ist ein Weibchen der Torfmosaikjungfer, obwohl es ganz anders aussieht und viel prächtiger gefärbt ist als das erste da oben (beachte auch den hier gut erkennbaren und für diese Art charakteristischen gelben Flügelvorderrand):




fresh female Common Hawker

Deshalb hielt ich diese Libelle für einen Kerl.

Sicher war ich mir aber nicht, wegen diverser Unstimmigkeiten in Sachen Zeichnung zunächst nicht einmal mit der Artdiagnose. Deshalb stellte ich ein Bild von ihr in ein Fachforum. Andreas Thomas Hein aus Berlin ließ mich dann auch wissen, dass es sich in diesem Fall um ein ganz junges Weibchen der Torfmosaikjungfer handelt.

Danke an dieser Stelle für den Hinweis!

Andreas' Seite LibellenWissen ist übrigens absolut sehenswert und oft sehr hilfreich: klick!

Die Art ist schon grundsätzlich recht variabel, aber wie bei anderen Mosaikjungfern auch verändert sich die Färbung mit dem Alter. Im "Bellmann" steht darüber hinaus, dass es bei der Torfmosaikjungfer Weibchen gibt, die so bunt gefärbt sind wie Männchen. Möglicherweise handelt es sich hier um ein solches.


Hier mal eine junge männliche Herbstmosaikjungfer zum Vergleich:

young male Migrant Hawker

Diese Art ist etwas kleiner als die anderen, die ich hier zeige. Im Flug und ohne direkten Vergleich bekommt man das aber nicht immer mit. Schon gar nicht als Laie, für den ich mich in Sachen Mosaikjungfern halte. Und deshalb kann ich gestehen, dass ich mich da schon einige Male vertan und die Herbstmosaikjungfer für eine Torfmosaikjungfer gehalten habe.

Aber nur in diesem Jahr!

Denn vor dem Beginn der Flugsaison dieser Libellen hatte ich mir vorgenommen, endlich die Torfmosaikjungfer und vielleicht auch noch die sehr ähnliche und noch viel seltenere Hochmoor-Mosaikjungfer in den Mooren am Ewigen Meer zu fotografieren. Beide Arten spukten so lange und so intensiv in meinem Hirn herum, dass ich die erste blau gefärbte Mosaikjungfer, die mir begegnete, gleich mindestens für eine Torfmosaikjungfer hielt. Kurz: Ich sah das, was ich sehen wollte. Nicht aber das, was tatsächlich da war. Eigentlich ein echter Anfängerfehler, aber im Eifer des Gefechts kann das schon mal passieren. Peinlich ist das trotzdem irgendwie, denn in der Vergangenheit hatte ich die Herbstmosaikjungfer schon tausendmal gesehen und fotografiert. Zum ersten Mal übrigens vor gefühlten hundert Jahren in Südschweden.

Hier in Ostfriesland ist die Herbstmosaikjungfer wahrscheinlich die häufigste Art der Gattung und insofern etwas Besonderes, weil sie sich viel häufiger als die anderen Arten hinsetzt und eine Flugpause gönnt. Darüber hinaus jagt sie im Gegensatz zu ihren Verwandten gerne auch in Gruppen und das an warmen Tagen sogar weit nach Sonnenuntergang.

Vor vielen Jahren machte ich eine Abendexkursion und besuchte die so genannte Deipe Briäke (Tiefes Reck), einen Heidesee bei Lotte-Halen im Kreis Steinfurt. Nachdem die Sonne untergegangen war, tauchte plötzlich ein Trupp der Herbstmosaikjungfer auf und jagte am Schilfrand über dem Wasser. Das sah geradezu skurril aus, weil die Libellen in einer Reihe flogen und ein Tier dem anderen in geringem Abstand exakt folgte. Sogar echte Loopings wurden von den Libellen präsentiert!

Gesehen hatte ich das bei dieser Art zwar schon häufiger, aber im diffusen Licht, das die bereits verschwundene Sonne gerade noch spendete, sah das Ganze wirklich einmalig aus. Doch schon wenig später war der Spuk wieder vorbei. So geheimnisvoll, wie die Libellen wie aus dem Nichts und wie auf ein geheimes Zeichen hin aufgetaucht waren, so verschwanden sie auch wieder.


Ein junges Weibchen der Blaugrünen Mosaikjungfer genoss die Abendsonne im Moor: 

young female Southern (orBlue) Hawker

Dieser Art kann man während ihres Reifefluges sogar in den Fußgängerzonen großer Städte begegnen.

Die Blaugrüne, wie ich sie der Einfachheit halber nenne, ist sehr anspruchslos. Der kleinste Gartenteich genügt ihr als Reproduktionsgewässer, wenn es dort nicht an Wasserpflanzen mangelt. Oft sind die Menschen erstaunt, wenn diese großen Libellen im Juni aus ihrer Larvenhaut schlüpfen. Und noch erstaunter sind sie, wenn sich ihnen eines dieser Tiere bis auf einen halben Meter nähert. Ängstliche Personen deuten dieses Verhalten immer wieder als einen Angriffsversuch. Doch wahrscheinlich handelt es sich nur um Neugier der Libelle. Sie will nur überprüfen, mit wem sie es zu tun hat.

Und ohnehin sind alle Libellen völlig harmlos – zumindest dann, wenn man kein kleines Insekt ist.

Dasselbe Individuum aus einer etwas anderen Perspektive:

same

Die hier noch fast weißen Zeichnungselemente auf dem Abdomen werden sich später als Folge des Reifeprozesses in ein sattes Grün umfärben.

Die Mosaikjungfern stellen mit unsere größten Libellen. Ähnliche Ausmaße errichen nur noch weitere Vertreter der so genannten Edellibellen und die zwei Quelljungfern aus der Gattung Cordulegaster. Alle von ihnen sind prächtig gefärbt.

Selbst das Männchen der auf den ersten Blick eher unscheinbareren Braunen Mosaikjunfer hat an den Seiten des Abdomens eine Reihe leuchtend blauer Flecken. Außerdem ist diese Art die einzige mit eingefärbten Flügeln, die also nicht glasklar, sonder braun getönt sind. Das macht sie trotz ihrer nicht so leuchtenden Grundfärbung zu einer auffälligen Erscheinung – eben zu einem fliegenden Edelstein!


Wie ein kleines Geistchen oder wie Sly Stallone ("Cliffhanger") hing diese taubedeckte Kohlschnake an einem Grashalm:






probably a Marsh Crane Fly, definitely a male

Nachdem der Tau verschwunden war, hatte dieses Tier leider so gar nichts Glänzendes mehr an sich.

Jeder kennt die Kohlschnake, die sich auch gerne mal am Abend in die Wohnung verfliegt und dort für Stimmung sorgt. Diese langbeinigen Schönheiten kommen nahezu überall vor und sind definitiv keine fliegenden Edelsteine.

Hier mal zwei Schnaken, die sich die ganze Nacht hindurch im Liebesrausch befunden haben müssen:

same species

Erschöpft wirkten sie aber nicht.

Eher tiefenentspannt.


In China glauben viele Menschen fest daran, dass der Verzehr von Produkten, die aus Tigern hergestellt werden, eine Steigerung ihrer eigenen Potenz herbeiführt. Vor allem die Hoden der Katze und ihr Penis sollen dort heißbegehrt sein. Letztere werden angeblich mit bis zu 10.000 Euro vergütet!

Großkatzen paaren sich Tag und Nacht in sehr kurzen Kopulationssintervallen. Und das über die gesamte Hochbrunst des Weibchens. Der einzelne Paarungsakt beläuft sich zwar nur auf etwa zwanzig Sekunden, aber an einem einzigen Tag kann es zu 40 Kopulationen kommen.

Das ist schön und beeindruckend, vor allem aber auch sehr gefährlich für Großkatzen. Denn so mancher Mensch neidet ihnen diese Potenz. Besonders in China ist das der Fall, wo angeblich etwa 1,2 Milliarden Menschen an die traditionelle Naturheilkunde glauben. Nur deshalb werden diese schönen Großkatzen verfolgt. Und vor allem deshalb hat man den Tiger an den Rand der Ausrottung gebracht. Zwar sollen diese Katzen in China auch extra für die Naturheilkunde gezüchtet werden, aber das macht es natürlich auch nicht besser.

Ohnehin ist die ganze Sache mit der Potenzsteigerung durch den Verzehr von Tigerteilen absolut schwachsinnig. Ich meine, wir können doch auch nicht fliegen, nur weil wir gerade eine Ente gegessen haben, oder?

Jetzt möchtet ihr bestimmt wissen, was das alles in diesem Beitrag zu suchen hat, gell?

Ich schlage jenen Menschen, die an diese ganze Kacke mit der Potenzsteigerung glauben, vor, auf Schnaken umzuschwenken. Wie man auf dem Bild da oben sehen kann, sind die noch viel potenter und ausdauernder als so ein Tiger. Und auch noch ganz still dabei. Darüber hinaus kommen sie in großer Zahl und sicher auch in China vor. Falls nicht, könnte man sie in Europa fangen und nach Asien exportieren.

Dieses Beispiel mit dem Tiger und der vermeintlichen Heilkraft von Produkten, die aus seinem Körper gewonnen werden, zeigt wieder ganz eindrucksvoll, dass etwas nicht automatisch sinnvoll sein muss, nur weil es eine lange Tradition hat. Vergleichbar ist dieses Beispiel mit der Hobby- und Spaßjagd in Europa und anderswo, die meiner Meinung nach lieber heute als morgen verboten werden sollte.


Fast den Abschluss darf heute der bekannteste fliegende Edelstein überhaupt machen:



the cute female Kingfisher from above

Es ist wieder das weibliche Familienoberhaupt von ganz oben.


Wenn ihr also künftig eine Gold- oder Schmeißfliege in eurer Wohnung entdeckt und zufällig auch noch andere Personen anwesend sein sollten, dann sprecht bitte im Zusammenhang mit dem Tier respektvoll von einem fliegenden Edelstein, bevor ihr die Klatsche einsetzt.

Ganz bestimmt werdet ihr die Lacher auf eurer Seite haben!


Das allerletzte Bild zeigt eine weibliche Gemeine Heidelibelle, die sich vor wenigen Minuten auf meinem Balkon die Abendsonne auf den Pelz brennen ließ:

female Vagrant Darter, sunbathing on my balcony few minutes ago

Man kann sehr schön sehen, wie sich das wärmebdürftige Tier schräg stellte, um sich optimal zur tief stehenden Sonne hin auszurichten.


* Ich schreibe das einfach so, ohne darüber nachzudenken, ob aus dem Zusammenhang hervorgeht, dass hier stets dasselbe Moor gemeint ist. Tannenhausen grenzt im Südosten an dieses Moor, Münkeboe im Westen. Um von A nach B zu kommen, muss man etwa zwei Kilometer zurücklegen. Eben auf den Wegen mitten durch das Moor.