wilde perspektiven

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Samstag, 25. November 2017

Jahresrückblick 2017

Unglaublich, ein ganzes Jahr ist fast schon wieder vorbei.

Weihnachten steht vor der Tür mit Spekulatius und Christstollen.

Und mit etwas Pech auch übelstes Wetter mit viel Schneematsch, noch mehr Wind und tagelanger Finsternis.

Das sind nicht die Aussichten, die man sich wünscht!

Da kann es nicht schaden, sich an die schöneren Zeiten eines Jahres zu erinnern. An das Frühjahr und an den Sommer.

An angenehme Temperaturen und viiiiel längere Tage.

In diesem Jahr war das Wetter allerdings sehr unbeständig. Man konnte sich immer darauf verlassen, dass es nach jeweils drei bis vier Tagen einen heftigen Umschwung geben würde. Ab Mitte August wurde das Ganze auch noch mit viel Regen garniert. Entsprechend wartete ich vergebens auf eine wochenlang anhaltende Hitzewelle mit Temperaturen deutlich über 20 Grad Celsius, wie es sie in meiner Kindhheit gegeben hat.

Ja, nicht erst seit heute bin ich in einem Alter, in dem die Zeit, auf die ich zurückblicken kann, deutlich mehr Jahre umfasst als die, die mich noch erwartet. Das bringt das Leben einfach so mit sich. Man wird nicht gefragt.

Aus naturkundlicher Sicht war 2017 ein vielfältiges und somit auch ein schönes Jahr. Es erstaunt mich immer wieder aufs Neue, dass man Tieren begegnen kann, die man in all den Jahren zuvor wohl übersehen haben muss. Oder die tatsächlich nicht anwesend waren. Oder vielleicht doch, aber man selbst befand sich zur entsprechenden Zeit am falschen Ort. Ein ums andere Mal muss ich aber wohl alles richtig gemacht haben.

Die Bilder, wie etwa das folgende, belegen das sehr schön:


who is that?

Den eigentlichen Auftakt darf nicht die schräg dreinblickende Dame da oben machen, sondern diese Dohle, die ich im Januar am Restaurant Strandlust auf dem Rysumer Nacken fotografierte.

Ich köderte sie mit Leckereien, und sie posierte vor meiner Kamera:




this blog post is nothing else but the year 2017 in review. In January I took many pictures of confiding Jackdaws in Emden

Ganz in der Nähe, an einem mehr oder weniger frisch ausgehobenen Graben, hatte ich bereits im November des Vorjahres einen Bergpieper angefüttert, den ich auch noch zu Beginn des neuen Jahres intensiv betreute.

So sah er an einem raureifigen Morgen aus:

I also photographed a Water Pipit at a ditch close by

Okay, das Bild entstand schon oder noch im Dezember 2016.

Am Emsstrand, der sich ganz in der Nähe des Restaurantes und des Grabens befindet, besuchte ich im Januar auch die adretten Sanderlinge, weil ich sie so mag.

Hier huschte einer der blütenweißen Flitzer durchs Bild:

and this Sanderling in a hurry on a beach

Ein anderer brachte seine fette Beute in Sicherheit:

Mit einer langen Verschlusszeit wollte ich die Dynamik seiner Flucht vor den futterneidischen Kollegen festhalten und unterstreichen.

Na ja, so richtig überzeugt mich das Resultat auch jetzt noch nicht.

Auf einem Gewässer bei Greetsiel fotografierte ich diese attraktiven Nonnengänse, die die vorausgegangene Nacht auf dem Eis verbracht hatten, weil es in dieser sehr klaten Phase des Winters kein freies Wasser gab:  


these Barnacle Geese had spent the night on the ice

Weitere Individuen im Anflug:  


same

Dann ging es erst im Mai weiter.

In meiner Wohnung entdeckte ich diesen bunten Winzling:

next images were taken in May: Varied Carpet Beetle in my living room

Es handelt sich dabei um den Wollkrautblütenkäfer.

Überall dort, wo Hunde und Katzen gehalten werden, kommt er vor. Doch weil er so klein ist, wird der Käfer in den allermeisten Fällen gar nicht bemerkt. Na ja, selbst ich benötigte viele Jahre, um ihm auf die Schliche zu kommen. Umso größer war die Freude, ihn endlich entdeckt zu haben. Ich meine, er sieht schon sehr hübsch aus.

Oder etwa nicht?

Ich besitze weder Katze noch Hund, aber trotzdem haust dieses unscheinbare Tiere in meinem unmittelbaren Umfeld. Warum das so ist, könnt ihr im Originalbeitrag nachlesen. 

Ebenfalls im Mai bekam ich am Reiherschloot im Ihlower Forst die Gelegenheit, das interessante Liebesleben der sportlichen Listspinne zu beobachten und in Bildern festzuhalten.

Heute gibt es aber nur das Foto eines sich sonnenden Individuums:

this female Nursery Web Spiderwas taking a sunbath

Die Listspinne ist eine meiner beiden Lieblingsspinnen.

Die zweite sollte mir im September in Ostfriesland begegnen, was ich im Frühjahr niemals für möglich gehalten hätte.  

Doch dazu später mehr.

Im Moor bei Tannenhausen, also dort, wo man mir im letzten Jahr mein Tarnnetz geklaut hatte, fand ich am frühen Morgen diese vom weichen Licht der benebelten Sonne durchflutete Eintagsfliege, die ich leider nicht bis auf Artniveau bestimmen kann:

Mayfly of unknown species

Alljährlich im Mai schlüpfen diese Tiere in unglaublichen Massen, um innerhalb kürzester Zeit für Nachwuchs zu sorgen und so den Fortbestand der Art zu sichern. Nach nur ein bis zwei Wochen ist der Spuk allerdings schon wieder vorüber.

Doch das macht nichts, denn andere Erdenbürger sprangen in diesem Jahr in die Bresche.

Und so sollte der Wonnemonat nicht ausklingen, ohne mir noch einen lang gehegten Wunsch zu erfüllen:


female Small Emperor Moth – lifer!

Dieses wunderschöne weibliche Kleine Nachtpfauenauge entdeckte ich wider Erwarten im Collrunger Moor.

So unglaublich viele Jahre hatte ich diesen fliegenden Orientteppich gezielt in den ostfriesischen Mooren gesucht, wenigstens aber nebenbei auf ihn geachtet, doch erst jetzt bin ich fündig geworden. In einem Moment, in dem ich ihn überhaupt nicht auf dem Schirm hatte.

Ich war regelrecht elektrisiert. Doch weil dieses schöne und große Weibchen noch nicht auszureichen schien, tauchte im Laufe des Tages auch noch der passende Kerl auf der Bühne auf, um sich vor meiner Kamera mit der Nachtpfauenäugin zu paaren. 

Ein unvergessliches Erlebnis, das ich mir seit meiner Kindheit genau so aufregend vorgestellt hatte!

Moorfrosch und Vierfleck sehe ich alljährlich in großer Zahl, doch weil sie so hübsch sind, taugen sie in diesem Jahresrückblick allemal als zusätzliche Hingucker:

Moor Frog tried to escape the sun



Four-spotted Skimmer was waiting for the sun

Plötzlich war der Juni da.

Auch in diesem Monat verbrachte ich viel Zeit im Collrunger Moor sowie in weiteren Gebieten ganz in dessen Nähe. 

Am Ems-Jade-Kanal konnte ich erstmals in meinem Leben einigen Singdrosseln beim Zertrümmern von Schneckengehäusen über die Schulter sehen: 

June brought this Song Thrush at work

Okay, vielleicht nicht zum ersten Mal in meinem Leben, aber zum ersten Mal aus geringster Distanz.

Dieser Vogel fütterte seinen Nachwuchs auf der anderen Seite des Kanals zumindest an diesem heißen Tag nahezu ausschließlich mit "enthausten" Bänderschnecken.  

Eine weibliche Gemeine Streckerspinne bewachte im angrenzenden Collrunger Moor am frühen Morgen den von ihr selbst in der Nacht zuvor angefertigten Kokon, in dem sich die Eier befanden: 


female Tetragnatha extensa with eggsack 

Sonnenaufgang am selben Ort:

Collrunger Moor on a misty morning right after sunrise

Nach einer kühlen Nacht hatte sich reichlich Bodenebel gebildet, der jetzt in einer perfekten Allianz mit dem Licht der tief stehenden Sonne für eine wunderbare, leider aber auch vergängliche Stimmung sorgte.

Wenige Minuten später hatte die aufsteigende Sonne den Nebel komplett aufgelöst. 

Einer weiblichen Heideradspinne war das völlig schnuppe. Sie wartete im Zentrum ihres Netzes auf ein leckeres Frühstück:

female Neoscona adianta – a lifer!

Später sollte sich heraustellen, dass diese für mich völlig neue Art im von mir nur sehr selten aufgesuchten Friedeburger Teil des Collrunger Moores in großer Zahl vorkommt.  

Gar nicht neu für mich war der Spiegelfleck:

Large Checkered Skipper on early morning

Trotzdem ist für mich jede Begegnung mit diesem hübschen und seltenen Falter etwas ganz Besonderes!

Es folgt die Labyrinthspinne.

Sie  bevorzugt es trocken und warm.

Ich fand sie in Friedeburg-Marx am Rande einer alten und von Mutter Natur längst zurückeroberten Sandabgrabung, wo sie in ihrem Trichter auf Beutetiere wartete:




this female Agelena labyrinthica I found in July

Ebenfalls in Marx konnte ich meine ersten revieranzeigenden und wahrscheinlich brütenden Pirole in Ostfriesland beobachten: 


male Eurasian Golden Oriole

Männchen (Bild) und Weibchen warnten zusammen mit einigen anderen Kleinvögeln lautstark im Kronenbereich eines kleinen Gehölzes. Den Grund für die Aufregung konnte ich allerdings aus meiner Bodenperspektive nicht ausmachen, obwohl ich alles gab und lange nach oben starrte. 

Labyrinthspinne und Pirol waren übrigens die ersten Kandidaten des Juli.

Es folgte der Blaue Eichenzipfelfalter:  


female Purple Hairstreak
 
Das hier gezeigte Weibchen war erst das zweite Individuum dieses Bläulings in meinem Leben!

Ich entdeckte es im Ihlower Forst. 

Später fand ich heraus, dass dieser Falter in Ostfriesland geradezu häufig ist, zumindest auf der Geest, und überall dort vorkommt, wo mehr als zwei Eichen zusammenstehen. Es ist die unauffällige Lebensweise der kleinen Tiere im Kronenbereich der Bäume, die dazu führt, dass sie vielerorts übersehen und dann als selten bezeichnet werden. 

Der schrille Kaisermantel begegnete mir wenige Tage später im Egelser Wald:

male Silver-washed Fritillary

Er war eine der ganz größten Überraschungen des Jahres!

Denn es handelte sich hier nicht etwa um einen einzelnen Falter, der sich aus einer südlicheren Region nach Ostfriesland verflogen hatte. Nein, schnell stellte ich fest, dass dieser Schmetterling im Egelser Wald reproduziert. Am selben Tag beobachtete ich nämlich gleich etliche Individuen, die sich vor allem im Dunstkreis einer bestimmten Wegekreuzung aufhielten und dort auch paarten. 

Im Rahmen meiner anschließenden Internet-Recherche sollte sich herausstellen, dass der Kaisermantel im äußersten Nordwesten der Republik stark im Kommen ist. So wurde er bereits seit Jahren im Hasbruch bei Hude beobachtet. Ich selbst entdeckte ihn wenige Tage später auch in größerer Zahl im Neuenburger Holz bei Zetel. 

Ein lebendiges Schmuckstück:




Musk Beetle

Im Collrunger Moor fand ich diesen weiblichen Moschusbock.

Dieser wohlriechende und ungemein hübsche wie elegante Käfer ist anspruchsvoll und meidet die ausgeräumte und überdüngte Agrarsteppe wie der Teufel das Weihwasser. In diesem Jahr sollte mir das Tier mit den langen Antennen gleich mehrere Male vor die Augen fliegen und krabbeln. Ich weiß das auch heute noch zu schätzen, weil Begegnungen mit diesem Tier eben nicht selbstverständlich sind.

Die erst zweite Hornissenschwebfliege meines Lebens entdeckte ich im August im Neuenburger Holz:






in August this Hornet Mimic Hoverfly came along – a lifer!

Die allererste war mir erst drei Tage zuvor im selben Wald vor die Augen geflogen.

Ebenfalls im August verbrachte ich einige Tage in der wunderschönen Südheide.

Ich wollte unbedingt mal einen Wolf in Deutschland sehen, in freier Natur und so weiter, doch leider hat das nicht geklappt. Ich gehe davon aus, dass es künftig noch schwerer bis unmöglich werden wird, dort oder an einem anderen Ort auf einen Wolf zu treffen, weil der kluge Kerl einfach zu viele Gegener unter den Menschen hat und bald wohl wieder ausgerottet werden wird.

In Niedersachsen und früher oder später auch in ganz Deutschland.

Von der Landschaft in der Südheide konnte ich aber ein paar Bilder machen. Sie zeigte sich wenig scheu.

Hier ein Wacholderhain bei Faßberg-Oberohe:

Waldkiefern am Rande derselben Heidefläche:

Das viel zu oft übersehene Kunstwerk einer Radnetzspinne im Heidekraut zog mich in seinen Bann:

Und wenig später auch die Kinderstube der bereits oben vorgestellten Listspinne:

Nursery Web Spider's offspring

Darüber hinaus sah ich unglaublich viele Blauflügelige Ödlandschrecken:


Blue-winged Grashopper

Diese seltene Art kommt in Westniedersachsen an nur einem Ort vor, in Ostfriesland aber gar nicht. 

Einige Zauneidechsen kreuzten erfreulicherweise meinen Weg:

Sand Lizard

Sowie zwei oder drei Schlingnattern:

Smooth Snake

Es gab in der Südheide natürlich noch viele weitere interessante Arten zu entdecken, darunter auch mindestens ein Lifer, aber ich will hier jetzt nicht übertreiben.

Schließlich ist das nur ein Rückblick!

Wenn ihr mehr sehen möchtet, das hatte ich bereits weiter oben geschrieben, müsst ihr nach den jeweiligen Originalbeiträgen suchen. Ist nicht so schwer, kann jeder.

Mitte September, ja, da sind wir jetzt schon, gab es für mich ein weiteres echtes Highlight des Jahres.

Im Knyphauser Wald, also im äußersten Osten Ostfrieslands, entdeckte ich zum allerersten Mal in meinem Leben ein individuenstarkes Vorkommen meiner zweiten Lieblingsspinne, die ich bereits weiter oben angekündigt hatte:

Raft Spider with preyed cicada

Ich fand an diesem Tag geschätzte, mindestens aber gefühlte zwei Millionen Gerandete Jagdspinnen!

Diese Art ist eine der größten und schönsten Spinnen in unserem Land. Im Gegensatz zu Jesus Christus, den es wahrscheinlich sowieso nie gegeben hat, kann dieses Tier tatsächlich übers Wasser gehen.

Und das auch noch sehr schnell!

Das nächste Bild zeigt ein anderes Individuum derselben Art:

differently patterned and coloured specimen of same species 

Diese völlig anders gefärbte und gezeichnete Jagdspinne hatte sich als Ruhe- und Lauerplatz das Blatt einer Großen Brennnessel ausgesucht, wo sie vor allem wegen ihrer grünlichen Färbung ausgezeichnet getarnt war.

Aber letztendlich doch nicht gut genug für meine Adleraugen ;-)

Meine Freude über den Fund der Gerandeten Jagdspinne war noch nicht abgeklungen, da mutierte ich gegen Ende des Monats wieder schwerpunktmäßig zum Vogelgucker. Zeitweilig hatte ich sogar mein Fernglas zu Hause gelassen, weil es bei der Fotografie mit Stativ und anderem Gerümpel eh nur nervt. Von Mitte September bis Ende November suchte ich also vor allem im unmittelbaren Küstenbereich nach spektakulären Arten, wo ich letztendlich auch einige Male fündig werden sollte.

Am 26. September z. B. konnte ich am Diekskiel einen Gelbbrauen-Laubsänger beobachten und endlich auch mal halbwegs vernünftig knipsen:

this fall I found three different Yellow-browed Warblers in Ostfriesland

Zwei weitere sollten noch folgen.

Eine junge Falkenraubmöwe überraschte mich am 9. Oktober auf dem Deich bei Westermarsch:

a young Long-tailed Skua showed up at Westermarsch in October

Eine adulte Lachmöwe mit weißem Farbring besuchte am 18. Oktober den Strand von Norddeich:


this adult Black-headed Gull with Norwegian colour-ring was present at Norddeich on 18. October

Der Vogel stammte aus einem norwegischen Beringungsprojekt und war in den Jahren zuvor mehrfach in den Niederlanden sowie im Raum Oslo abgelesen worden.

this Richard's Pipit on 28. October was very shy, but at least I managed to get some expressive record shots ;-)

Dieses Suchbild zeigt einen sehr scheuen Spornpieper, der sich am 28. Oktober am Rande der Leybucht aufhielt und dort die Gesellschaft diverser anderer Kleinvögel suchte.

Für mich war das der erste nicht einfach nur durchziehende Spornpieper auf dem Festland. Natürlich hätte ich sehr gerne bessere und aussagekräftigere Bilder von dem seltenen Gast gemacht, doch hatte der Spornpieper einfach etwas dagegen.

Muss man akzeptieren.

Ohnehin blieb mir kaum Zeit, mich gebührend über den Vogel zu freuen, denn nur zwei Tage später, am 30. Oktober, gab es für mich diesen echten Sechser im Lotto:







only two days later I found my very first Pied Wheatear in Germany!

In einem Busch am Strand von Norddeich entdeckte ich einen jungen männlichen Nonnensteinschmätzer!

Der Gast aus dem Osten verweilte dort für vier Tage, um sich dann in der ersten windstillen Nacht seit seiner Ankunft wieder aus dem Staub zu machen.

this confiding bird constitutes the 21. record for the whole country

Bei dem Vogel dürfte es sich um den erst etwa 21. Nachweis für Deutschland gehandelt haben.

Auch in diesem Fall könnt ihr Näheres im Originalbeitrag nachlesen.

Oh, ein niedliches Thorshühnchen:

this young Red Phalaope kept staying at Manslagt for four days at the beginning of november

Wie der Nonnensteinschmätzer unterbrach auch dieser hochnordische Vogel seinen Zug nach Afrika gleich für ganze vier Tage, um sich in einer Kleientnahmestelle bei Manslagt den Bauch vollzuschlagen.

Schließlich verließ das Thorshühnchen Manslagt. Wahrscheinlich hatte es einfach nur die Schnauze voll vom ostfriesischen Schietwetter:

same 

Zwei Ohrenlerchen wurden heute (25. November) in die Zange genommen. 

cute Shore Lark is a regular winter visitor in Ostfriesland

Auf der einen Seite lauerte der Idiot mit der Kamera, von hinten näherte sich eine Radfahrerin.

Ich konnte hören, was einer der Vögel dem anderen zuraunte: "Diese verfickten Zweibeiner sind wirklich überall. Nirgends hat man seine Ruhe vor ihnen. Die müssten mal reguliert werden. Die nehmen wirklich überhand!"

Ganz Unrecht hatte die Ohrenlerche da wohl nicht!

Doch leider ist eine korrekte Selbsteinschätzung absolut nicht der Menschen Stärke. Stattdessen nehmen ausgerechnet sie den Mund reichlich voll und sprechen anderen Lebewesen mal so eben das Existenzrecht ab. Der Wolf ist nur eines von ganz vielen Beispielen, der Rotfuchs ein weiteres. In Loden gekleidete und mit einem Schießgewehr ausgestattete Vertreter unserer Spezies drängen sich in dieser Disziplin übrigens besonders eifrig in den Vordergrund. Und das, obwohl die allermeisten von ihnen absolut nichts über ökologische Zusammenhänge wissen, weil sie nicht wirklich an ihnen und an der Natur ganz allgemein interessiert sind.

Von Bedeutung sind für diese Menschen nur jene Arten, auf die man schießen kann.

Huaaah, war das plötzlich finster am Horizont:

Oystercatchers were talking to each other, while it was raining cats and dogs in the background

Ein heftiges Gewitter suchte Norderney und später auch mich heim.

Die Insel bekam an diesem Tag aber mal so richtig den Pelz nass. Und weil ich mich nicht in der Nähe meines Autos oder einer Schutzhütte befand, sollte es mir nur wenig später nicht besser ergehen.

War nicht prickelnd, aber das Meiste regnete an mir vorbei.

Der wohl letzte Steinschmätzer des Jahres stand heute auf einer Schafstränke und behielt mich sichernd im Auge:

this was probably the very last Northern Wheatear of the year

Wirklich scheu war er nicht, aber eine gewisse Distanz zu den Menschen, das sagte er mir, könne grundsätzlich nie schaden.

Mit einem Geschenk, einer Handvoll Mehlwürmer, machte ich den Tag für den Vogel erträglicher. Ich meine, Ende November ist der Tisch auch für einen Steinschmätzer nicht mehr so reich gedeckt.

Auf weitere Bilder verzichtete ich aber, weil der Boden patschnass war und ich mich somit nicht auf Augenhöhe begeben konnte.

Fußspuren im Watt:






foraging Shelduck – if in the wilderness, don't take anything but photographs, don't leave anything but footprints, don't kill anything but time

Hier fast zum Schluss noch einmal das erste Bild dieses Beitrages:

my very first Slow Worm, since I moved to Ostfriesland  several years ago

Das Tier mit dem schönen Auge ist eine weibliche Blindschleiche.

Es klingt unglaublich, aber dieses Reptil war mir bis zum Sommer 2017 nicht ein einziges Mal in Ostfriesland begegnet, obwohl ich eigentlich einen geübten Blick für diese Echse habe und sie mir aus dem Landkreis Osnabrück sehr gut bekannt war und ist.

Kurioserweise kam es in den darauffolgenden Wochen noch zu weiteren Funden im Collrunger Moor, wo ich auch das erste Tier entdeckt hatte. Von jeder dieser Schleichen schoss ich ein paar Portraits. Und anhand dieser Fotos konnte ich feststellen, dass es sich immer um neue Weibchen gehandelt hat.

Ist das geil?

Egal, das war jedenfalls das Jahr 2017. 

Ich bin hochzufrieden mit meiner Ausbeute. Doch dürfen die Bilder von zum Teil sehr seltenen und stark bedrohten Arten nicht darüber hinwegtäuschen, dass unsere Natur längst am Krückstock geht.

Nicht nur in Ostfriesland dominieren Siedlungen sowie Äcker und überdüngtes Grünland die weite Landschaft. All die hier gezeigten Tiere fotografierte ich in nur ganz wenigen, vergleichsweise kleinen und voneinander isolierten Gebieten, in denen der Mensch noch nicht alles auf "Vordermann gebracht" hat. Die wenigsten der hier gezeigten Arten kommen mit unserem Umgang mit der Natur zurecht. Sie verschwinden einfach, wenn wir für "Ordnung" sorgen.

Ohne einen einzigen Aufschrei.

Ganz leise.

Und von einem Großteil der menschlichen Bevölkerung völlig unbemerkt.

Ich bin kein Pessimist. Ich bin Realist und fest davon überzeugt, dass die Zukunft nicht viel Gutes für all diese wunderbaren Erdenbürger zweiter Klasse bringen wird. In meinem Leben habe ich viele Populationen diverser anspruchsvoller Tier- und auch Pflanzenarten verschwinden sehen. Das Spektrum reicht von verschiedenen Insekten über Amphibien und Reptilien bis hin zu besonders empfindlichen Vogelarten.

Die Zahl der Menschen nimmt immer weiter zu. Ihr Raumbedarf steigt, obwohl sie doch schon jeden Quadratmeter für sich beanspruchen. Und die allermeisten dieser Menschen sind zufrieden, wenn ihre Welt nur noch aus Siedlungen, Industriegebieten und landwirtschaftlichen Nutzflächen besteht. Für sie sind Wirtschaftsforst und Agrarsteppe Natur pur. Maisfelder sind doch auch so schön grün. Und sie produzieren sogar Sauerstoff. Wer benötigt da noch Heide- oder Moorflächen mit Schlingnattern oder Jagdspinnen?

In diesem Augenblick fällt mir aber auch noch etwas Tröstendes ein: Bestimmt gibt es eine App fürs Smartphone, die die Natur eins zu eins zu ersetzen vermag. Und falls es die nicht geben sollte, kann man sich bewegte Bilder von sehr vielen Arten auf Youtube ansehen.

Immerhin, um die Ringeltaube muss man sich keine Sorgen machen:













































Wood Pigeon

Sie ist völlig anspruchslos und kann nahezu überall leben.

Selbst in unserer Mitte.